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Traum oder Trauma? - von der Straße aufs Sofa... Von Traumata und Belastungsstörungen bei Hunden aus dem Tierschutz

Hunde, die aus Ost- oder Südeuropa nach Deutschland gebracht werden, zeigen nach ihrer Ankunft häufig Verhaltensauffälligkeiten, die man als Traumafolgestörungen beschreiben kann.

Krankheiten und die häufig routinemäßig durchgeführte Kastration können die Verhaltensprobleme noch verschärfen.

Wir beleuchten das Thema aus zwei Perspektiven:

- Die Tierärztin Sophie Strodtbeck stellt die Problematik des Tierschutzes bei Auslandshunden anhand von eigenen und von Erfahrungen aus der Beratungspraxis mit Udo Gansloßer vor.

- welche Auswirkungen kann die gängige Kastration auf die Psyche dieser Hunde haben

- wie wird das Hormonsystem durch Traumata durcheinandergebracht

- die Auswirkungen der sogenannten Mittelmeererkrankungen

- wie kann sinnvoller Auslandstierschutz aussehen, denn Tierschutz sollte im Sinne der Tiere sein und nur Wissen hilft, nicht Mitleid.

Der Psychologe und Systemische Therapeut Robert Mehl erläutert, was ein Trauma ist, wie es sich auf das Gehirn des Hundes auswirkt und weshalb gerade Hunde aus dem Tierschutz häufig davon betroffen sind.

Die psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, die sich daraus entwickeln können, sowie deren neurobiologische Grundlagen werden vorgestellt.

Dazu gehören

- posttraumatische Belastungsstörung

- verschiedene Angst- und Zwangsstörungen

- Depressionen

- unangemessenes Aggressionsverhalten.

Gemeinsam mit den Teilnehmern überlegen wir dann, welche traumatherapeutischen Ansätze aus der Humanpsychotherapie auf Hunde übertragbar sind und berichten über Fallbeispiele.

Das Seminar richtet sich an Hundetrainer, Hundehalter und Tierschützer, die sich für die hormonellen und neuropsychologischen Zusammenhänge bei Traumafolgestörungen interessieren.

Der Schwerpunkt liegt auf der Vermittlung theoretischer Kenntnisse, die anhand von Beispielen anschaulich beleuchtet werden, so dass die Teilnehmer erste eigene Ideen für Trainings- und Therapieansätze entwickeln und die Qualität vorhandener Trainings- und Therapiemethoden kritisch beurteilen können.

Konkrete Fälle der Teilnehmer werden nicht besprochen.

Das Seminar enthält keine praktischen verhaltenstherapeutischen Arbeiten und ersetzt keine Verhaltenstherapie und keine Ausbildung bei einem in der Behandlung von psychischen Störungen bei Hunden erfolgreichem Fachtierarzt bzw. Hundetrainer oder Ausbildungsinstitut.

Referenten:

Robert Mehl ist Diplom-Psychologe und Kriminologe (M.A.). Er absolvierte therapeutische Zusatzausbildungen als „Systemischer Berater und Familientherapeut“ (DGSF) und für den „Professionellen Einsatz von Hunden in der Therapie“ („dogument“). Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Magdeburg mit dem Forschungsschwerpunkt „Neurobiologische Grundlagen von Aggression“ und Autor von neurowissenschaftlichen Fachartikeln. Danach arbeitete er als Systemischer Therapeut mit seiner von „dogument“ zertifizierten Therapiehündin in einer Jugendanstalt und zuletzt als Psychologe in einer Praxis für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie. Er ist Dozent und inhaltlicher Leiter bei dogument und Dozent bei D.O.G. People. Zudem ist er freiberuflich als Coach und Systemischer Berater tätig.  

Sophie Strodtbeck, Tierärztin, Referentin, Mehrhundehalterin, Buchautorin und Autorin für diverse Hundezeitschriften und verhaltensmedizinische Beraterin.